
Kiriakos, der Wirt im „Ta Psaradika“ hat noch den Hinweis gegeben, dass die Route über Mazedonien und Serbien kürzer ist, aber wir wollen über Albanien, Montenegro und Kroatien nach Hause fahren. In Mazedonien müssten wir in den Hochlagen bestimmt mit viel Schnee rechnen, das wäre nur hinderlich. Außerdem freuen wir uns darauf, an der Adriaküste am Meer entlang zu fahren, auch wenn die Strecke kurvenreich ist.
In der albanischen Grenzstadt Bilisht bekommen wir am Geldautomaten die Landeswährung Lek. Beim Bäcker und im Supermarkt stocken wir unsere Lebensmittelvorräte auf, kaufen albanischen Wein. Ein wenig irritiert uns, dass hier viele Menschen, überwiegend Männer, in kleinen und größeren Grüppchen auf den Straßen sind, meistens herumstehen. Allerdings sind sie irgendwie miteinander beschäftigt, die Stimmung ist friedlich. Genauso beobachten wir es in weiteren Städten, die wir durchqueren.
Die Fahrt durch Albanien verläuft problemlos, die Durchgangsstraße ist überwiegend gut. Das Hotel Baron in Sauk am südlichen Stadtrand von Tirana bietet seinen Parkplatz als Campingplatz an. Hier übernachten wir, u. A. mit sehr gutem WLAN. Mitten in Tirana endet die sehr gute Schnellstraße unvermittelt und wir müssen in der morgendlichen rush hour durch die verstopften Straßen der Innenstadt. Hier und an der Schnellstraße zum Flughafen ist Albaniens Aufbruch besonders deutlich. Viele internationale Firmen und Marken sind präsent, ‚Europa‘ ist offenbar die Verheißung und Deutschland das ‚gelobte Land‘.
Südwestlich von Shkodra passieren wir die Grenze zu Montenegro. Dort sind die ersten ca. 20 km bis Bar weniger gut ausgebaute Landstraße. Danach fahren wir bis weit hinter Dubrovnik die gut ausgebaute Jadranska Magistrala (Adriatische Küstenstraße). Wuchtige Berge, die sich unmittelbar an der Küste auftürmen, prägen unseren Eindruck von Montenegro, sowie ein praller Supermarkt und der niedrigste Dieselpreis dieser Reise. In der hereinbrechenden Dämmerung finden wir zu unserer großen Freude in Zelenika, etwa 20 km vor der Grenze zu Kroatien, einen Campingplatz, der offiziell schon seit Ende Oktober geschlossen sein soll. Wir sind dort ganz allein und erst am anderen Morgen kommt der Platzwart. In fließendem Deutsch entschuldigt er sich, dass er uns nicht früher bemerkt hat.
Die kroatische Adriaküste wird von einem etwa 25 km langen Abschnitt unterbrochen, der zu Bosnien-Herzegowina gehört. So kommen wir an diesem Tag auf drei Grenzübertritte. Die werden übrigens einfacher und die Abfertigung schneller, je weiter wir nach Norden voran kommen. In Kroatien sind wir wieder in der EU, das gibt doch ein gutes Gefühl, obwohl wir auch in den anderen Ländern keinerlei Probleme hatten. Bei Dubrovnik führt eine Staßenbaustelle zu Stop-and-Go-Verkehr, sodass wir die Aussicht über die historische Stadt genießen können.
Auf der neuen, fast leeren Autobahn in Kroatien fahren wir recht entspannt und kommen zügig voran. Und die Kosten für die Maut sind nur ein Bruchteil der eingesparten Fährpassage. In Ravanjska, nordöstlich von Zadar, haben wir einen Stellplatz an einem kleinen Anleger am Ende der langen Bucht. Die abendliche Szenerie dort hat Frau Rumkommer in stimmungsvollen Bildern festgehalten. Und ihre Sonnenaufgangs-Langzeitfotos sind mal wieder mystisch.


