Kanada im Womo, Teil 2

 

Nach Planung und Verlauf der Reise im ersten Teil des Rückblicks gehen wir hier auf die Natur in Kanada sowie kulturelle Aspekte ein.

Parks

47 Nationalparks und 171 Nationale Historische Stätten werden von Parks Canada betrieben. Eine erhebliche Anzahl dieser Einrichtungen haben wir besucht und uns dafür jeder einen ‚Discovery Pass’ für ein ganzes Jahr gekauft. Obwohl für einige Nationalparks kein Eintritt erhoben wird und einige ab Herbst gebührenfrei geöffnet waren, haben sich für uns die Pässe amortisiert.

 

Zusätzlich zu den nationalen gibt es eine große Zahl von Provincial Parks. In Québec, das sehr auf Eigenständigkeit pocht, heißen sie Nationalparks, was den ausländischen Reisenden verwirrt. Diese Parks der Provinzen und einige regionale nehmen in vielen Fällen die landschaftlich oder touristisch schönsten Areale ein und machen sie der Allgemeinheit zugänglich. Dafür wird aber in den meisten Fällen Eintritt erhoben. In vielen dieser Parks liegen schöne Campingplätze, die allerdings zusätzlich kosten. Im September schließen einige der Parks und viele ihrer Campingplätze.

 

englisch:

Canada by camper, part 2

After planning and itinerary in the first part of the review, we will look at nature in Canada and cultural aspects.

Parks

47 National Parks and 171 National Historic Sites are operated by Parks Canada. We visited a significant number of these facilities and each bought a ‘Discovery Pass’ for a full year. Although some of the National Parks have no entrance fee and some have been open toll-free from the autumn, the passes have paid off for us.

In addition to the national there are a large number of Provincial Parks. In Québec, which aimes to be self-reliant, they are called National Parks, which confuses foreign travelers. These parks of the provinces and some regional ones in many cases occupy the most scenic or touristic areas and make them accessible to the general public. But in most cases admission is charged. In many of these parks are beautiful campsites, but with an additional fee. In September, some of the parks and many of their campsites close.

 

Wilde Tiere und erstaunliche Pflanzen

Neben großartigen Landschaften haben wir in ganz Kanada viele wilde Tiere erlebt. Das war oft überraschend, wie man sich denken kann: Elche in der Dämmerung auf der Straße, Karibus wenige Meter entfernt, ein Stachelschwein am Straßenrand. Etwa zwanzigmal haben wir Schwarzbären gesehen, in Labrador eine Bärenmutter mit Kind. Bei der Klapperschlange waren wir froh, dass ein Park Ranger sie vorsichtig abtransportierte.

Aber auch weniger gefährliche Tiere waren interessant: Gabelböcke (eine Antilopen-Art), Bergziegen, Erdhörnchen und Präriehunde mit ihrem Comic-haften Verhalten. Hirsche, Füchse, Hasen und Eichhörnchen haben sich öfter mal gezeigt, gelegentlich sogar Stinktier-Junge oder ein Luchs. Sogar Libellen und Kaulquappen haben unsere Aufmerksamkeit erregt.

Für Vögel sind die Bedingungen im kanadischen Sommer besonders gut. So konnten wir Schwalben beim Füttern der Jungen im Nest beobachten, die lustigen Papageitaucher, Pelikane, Weißkopf-Seeadler, Kraniche und Schwärme von Kanadagänsen und Schneegänsen.

Besonders beeindruckt haben uns mehrere große Herden Waldbisons, auch weil sie wichtige Durchgangsstraßen „belagerten“. Von Bibern konnten wir selten mehr sehen, als ihre Bauten, die aus dem Wasser ragen, oder die Überschwemmung, die sie angerichtet haben.

 

Überrascht hat uns auch die Walderdbeere, sie wächst praktisch überall in Kanada, häufig  bedeckt sie große Flächen. Ähnlich überraschend war die Vielzahl verschiedener Ahornarten. Im Land der unfassbar vielen Seen gibt es auch viele Moore. Dort haben wir eine erstaunliche Dichte fleischfressender Pflanzen beobachtet. In der Prärie haben wir gestaunt, dass dort nicht nur Getreide und Soja angebaut wird, sondern auch Flachs / Lein. Und wer hätte gedacht, dass auf Vancouver Island Tee angebaut wird und dass dort bärtige Bäume wachsen? Ein Phänomen sind die verdrehten Espen in Saskatchewan. In New Brunswick und Prince Edward Island haben uns im Herbst Felder in Rot und Orange fasziniert.

 

english:

Wildlife and amazing plants

In addition to great landscapes, we have seen many wildlife across Canada. That was often surprising, as you can imagine: moose in the twilight on the road, caribou a few meters away, a porcupine on the roadside. Roughly twenty times we saw black bears, in Labrador a mother bear with a cub. With the rattlesnake, we were glad that a Park Ranger carefully transported it away.

But less dangerous animals were interesting, too: pronghorns (an antelope species), mountain goats, ground squirrels and prairie dogs with their comic-like behavior. Deer, foxes, hares and squirrels have shown themselves more often, sometimes even skunk hatchlings or a lynx. Even dragonflies and tadpoles have caught our attention.

For birds, the conditions in the Canadian summer are especially good. So we were able to watch swallows feeding their young in the nest, the funny puffins, pelicans, bald eagles, cranes and swarms of Canada geese and snow geese.

We were particularly impressed by several large herds of wood bison, also because they „besieged“ important thoroughfares. Of beavers, we have seldom seen more than their lodges rising from the water or the flood they have caused.

Wild strawberry has also surprised us, it grows practically everywhere in Canada, it often covers large areas. Similarly surprising was the variety of maple species. In the land of incredibly many lakes there are also many bogs. There we observed an amazing density of carnivorous plants. In the prairie, we were amazed that not only cereals and soybeans are grown there, but also flax. And who would have thought that tea is being grown on Vancouver Island and that bearded trees are growing there? A phenomenon is the crooked aspens in Saskatchewan. In New Brunswick and Prince Edward Island we were fascinated by fields of red and orange in autumn.

 

Kanadier

Mehrfach haben wir von Kanadiern gehört, die Menschen in Neufundland seien ganz besonders freundlich. Das können wir bestätigen. Tatsächlich haben wir in ganz Kanada fast ausschließlich sehr rücksichtsvolle, freundliche und interessierte Menschen erlebt. Die in Europa weit verbreitete Aggression, insbesondere im Straßenverkehr, haben wir nur in einzelnen Fällen wahrgenommen. Kanadische Autofahrer drängeln nicht, sie halten großzügige Abstände, selbst LKW-Fahrer sind rücksichtsvoll.

Die heftige Aggressivität, von der wir permanent aus den USA hören, mit Rassenproblemen, Schießereien, Mord und Raub, war in Kanada nicht wahrnehmbar. Kanadier sind entspannt. Auch sie haben Gewehre, aber nur zur Jagd. Fischen und Jagen gehören zu den selbstverständlichen Freizeitbeschäftigungen, schließlich besteht das Land überwiegend aus Gewässern und Wildnis. Selten haben wir uns irgendwo so sicher gefühlt, wie in Kanada.

Und nie hatten wir auf einer Reise so viele Kontakte mit Menschen. Die Kanadier sind kommunikativ, neugierig und interessiert. Unser Wohnmobil ist in Kanada aufgefallen, einerseits weil es für dortige Verhältnisse klein und kompakt ist, andererseits durch seine dort „exotischen“ Fahrzeugkennzeichen. Das hat das Interesse vieler Kanadier geweckt, die fast alle einen Wohnanhänger oder Camper haben. Fachkundig haben manche erkannt, dass es eine handliche Alternative zu den in Nordamerika üblichen voluminösen Freizeitfahrzeugen (Recreational Vehicles / RV) ist. Ein paar wollten genau dies Modell kaufen. Einige haben das Länderkennzeichen „D“ für Dänemark gehalten, einige haben sich an ihre deutschen oder andere europäische Wurzeln erinnert.

Darüber und durch andere Impulse hatten wir viele Gespräche mit Kanadiern, die meistens von ihnen ausgingen. Und mit Englisch als Fremdsprache, die wir sicher beherrschen, waren unsere Voraussetzungen ganz gut für die Verständigung. Auch im französischsprachigen Québec sind viele Menschen des Englischen mächtig, sei es auch nur ein wenig. Und wenn sie erkannt haben, dass wir Ausländer sind, wurden die Englischkenntnisse ausgepackt.

 

In Québec haben wir die dort präsente französische Kultur genossen, insbesondere in Form von Lebensmitteln, an denen wir schon in Frankreich viel Freude hatten. Das Französische ist nicht auf Québec beschränkt. Die Atlantik-Provinzen Newfoundland and Labrador, Nova Scotia, New Brunswick und Prince Edward Island sind mehr oder weniger zweisprachig englisch und französisch. Dort gibt es französischsprachige Regionen. Auch Ontario ist zweisprachig. Besonders in Manitoba, aber auch in Saskatchewan und bis Alberta gibt es Regionen und einzelne Orte mit französischen Ortsnamen.

Im Süden von Manitoba wechseln sich französische und deutsche Ortsnamen ab. Weiter im Norden gibt es eine ukrainische Volksgruppe und eine isländisch geprägte Region. Thunder Bay (Ontario) am westlichen Ende des Lake Superior gilt als größte finnische Gemeinde außerhalb Finnlands. Das sind nur ein paar Beispiele von vielen. Kein Zweifel besteht daran, dass diese Menschen alle Kanadier sind, und die Provinzen werben mit den Besonderheiten dieser verschiedenen Kulturen.

In mehreren Provinzen haben wir regional oder in einzelnen Orten zwei- und dreisprachige Schilder gesehen, mit einer oder auch zwei verschiedenen indianischen Schriftzeichen. Überall in Kanada gibt es kleine und größere First Nation Reservate, offenbar selbst verwaltet.

 

Am Highway im Wood Buffalo National Park, zwischen Fort Smith und Hay River, hatte ich eine kurze, beeindruckende Begegnung. Auf einem der wenigen Parkplätze an der Straße habe ich den täglichen Müll in einen dort aufgestellten (bärensicheren) Müllbehälter entsorgt. Ein großer, moderner Geländewagen parkte dort schon. Der Fahrer, ein großer, stattlicher Mann, schätzungsweise etwa 70 Jahre alt, mit der Ausstrahlung eines Stammeshäuptlings, sprach mich an. Er war auf unseren ausländischen Camper aufmerksam geworden und wir kamen ins Gespräch. Dies sei irgendwie auch „seine Straße“, er habe mehrere Jahrzehnte an ihr gearbeitet. Er ist stolz auf seine Enkel, weil sie die Sprache seines Stammes beherrschen und dessen kulturelles Erbe fortführen. Auf seinem Smartphone zeigt er mir Fotos seines Hauses, ein schönes Haus. „Haben Sie schon mal Moschus-Ochse gegessen?“ fragt er mich. „Sehr lecker!“ Er zeigt mir Fotos eines von ihm erlegten Moschus im Tiefschnee, Fotos von erlegten Elchen und Karibus. „Alles Bio, ohne Hormone, nicht vergleichbar mit Fleisch aus dem Supermarkt.“ „Wie lange reicht solch ein Tier?“ frage ich. „Ein halbes Jahr isst die Familie vom Fleisch eines großen Tieres.“

english:

Canadians

Several times we have heard from Canadians that the people in Newfoundland are very friendly. We can confirm that. In fact, almost all over Canada we have experienced very considerate, friendly and interested people. The widespread aggression in Europe, especially in road traffic, we have only seen in individual cases. Canadian motorists do not jostle, they keep generous distances, even truck drivers are considerate.

The ferocious aggression we hear from the US constantly, with race problems, shootings, murder and robbery, was imperceptible in Canada. Canadians are relaxed. They too have rifles, but only for hunting. Fishing and hunting are natural recreational activities; after all, the country consists predominantly of water and wilderness. Rarely have we felt as safe anywhere as in Canada.

And never did we have so many contacts with people on a trip. The Canadians are communicative, curious and interested. Our motorhome has attracted attention in Canada, on the one hand because it is small and compact for local conditions, on the other hand because of its „exotic“ license plates. This has aroused the interest of many Canadians, almost all of whom have a caravan or camper. Expertly, some have recognized that it is a handy alternative to the usually bulky recreational vehicles (RV) common in North America. A few wanted to buy exactly this model. Some thought the country plate „D“ was for Denmark, some have remembered their German or other European roots.

By these, and through other impulses, we had many conversations with Canadians, mostly initiated by them. And with English as a foreign language, which we master safely, our conditions were quite good for comprehension. In French-speaking Québec, too, many people speak English, if only a little. And when they realized that we were foreigners, the English language skills were unpacked.

In Québec, we enjoyed the presence of French culture there, especially in the form of food, which we have enjoyed in France. French is not restricted to Quebec. The Atlantic provinces of Newfoundland and Labrador, Nova Scotia, New Brunswick and Prince Edward Island are more or less bilingual in English and French. There are French-speaking regions. Ontario is also bilingual. Especially in Manitoba, but also in Saskatchewan and Alberta there are regions and individual places with French place names.

In the south of Manitoba, French and German place names alternate. Further north there is a Ukrainian ethnic group and an Icelandic region. Thunder Bay, Ontario, on the western end of Lake Superior, is the largest Finnish community outside of Finland. These are just a few examples of many. There is no doubt that these people are all Canadians, and the provinces are promoting the characteristics of these different cultures.

In several provinces we have seen bilingual and trilingual signs with one or two different Indian characters either regionally or in individual places. Throughout Canada, there are small and larger First Nation Reserves, apparently self-governed.

On the highway in Wood Buffalo National Park, between Fort Smith and Hay River, I had a short, impressive encounter. On one of the few parking lots on the road, I disposed of the daily garbage in a (bear-proof) bin set up there. A large, modern AWD parked there already. The driver, a tall, stately man, estimated to be about 70 years old, with the charisma of a tribal chieftain, addressed me. He had become aware of our foreign camper and we started talking. This is somehow also „his road“, he had worked at it for several decades. He is proud of his grandchildren because they speak the language of his tribe and continue their cultural heritage. On his smartphone he shows me images of his house, a beautiful house. „Have you ever tasted musk ox?“ He asks me. „Very tasty!“ He shows me images of a musk ox he has hunted down in deep snow, images of hunted down moose and caribou. „All organic, without hormones, not comparable to meat from the supermarket.“ „How long does such an animal last?“ I ask. „For half a year, the family eats the meat of a big animal.“

 

Kanadier oder was?

In vielen Gesprächen auf dieser Reise haben wir unsere Begeisterung für das wunderschöne Land geäußert. Und mit wenigen Ausnahmen wurde das beantwortet mit Sätzen wie: „Oh ja, Nova Scotia ist so schön / Ja, wo in Neufundland waren Sie denn schon? / Ja, Québec ist sehr schön.“ Das erste Mal, dass jemand auf das Wort ‚Kanada‘ reagierte, war nach eineinhalb Monaten Reise in Ontario.

 

Von Europa aus nehmen wir Kanada als ein riesiges Land wahr. Tatsächlich ist es eine Konföderation von Provinzen und (extrem dünn besiedelten) Territorien. Die haben viel mehr Kompetenzen, als z.B. die deutschen Bundesländer. Verkehr, Gesundheitssystem, Alkohol-Verkauf und vieles mehr sind in Kanada nicht einheitlich geregelt, sondern von einer Provinz zur nächsten unterschiedlich. Das ist durchaus auch für Reisende relevant. Die Einwohner orientieren sich daher wohl auch vorrangig an der Provinz, in der sie leben, sie sehen sich als Bürger von Alberta oder Manitoba etc. Ein wenig entsprechen die Provinzen den Staaten in der Europäischen Union, ihre Ausdehnungen sind sogar größer. Allerdings sind die kulturellen Unterschiede geringer. Die dominierende englische und die weit verbreitete französische Sprache schaffen auch mehr Gemeinsamkeit, als die Sprachenvielfalt in Europa.

english:

Canadians or what?

In many conversations on this trip, we expressed our enthusiasm for the beautiful country. And with few exceptions, that was answered with phrases like, „Oh yeah, Nova Scotia is so beautiful / Yes, where in Newfoundland have you been so far? / Yes, Québec is very beautiful. „The first time anyone responded to the word ‚Canada‘ was after a month and a half of travel in Ontario.

From Europe we perceive Canada as one huge country. In fact, it is a confederation of provinces and (extremely sparsely populated) territories. They have much more competences than e.g. the German Federal Lands. Traffic, healthcare, alcohol sales and much more are not regulated uniform in Canada, but vary from one province to another. This is also relevant for travelers. As a result, the inhabitants are primarily oriented towards the province in which they live, they see themselves as citizens of Alberta or Manitoba, etc. The provinces are somewhat similar to the countries in the European Union, and their dimensions are even larger. However, the cultural differences are smaller. The dominant English and the widespread French language also create more in common than the diversity of languages in Europe.

 

Kunst und Skurriles

Unsere Hauptinteressen auf dieser Reise waren Landschaften und Natur. Und doch gehören zu den schönsten Erlebnissen künstlerisch gestaltete Orte und Kunst-Ereignisse:

Darüber hinaus hatten wir Vergnügen an skurrilen Weidezaunpfahl-Dekorationen mit:

  • Stiefeln in der Prärie von Saskatchewan,
  • Mützen am Cowboy Trail in Alberta und
  • Fahrrädern am North Cape von Prince Edward Island.

 

Diese sechsmonatige Reise war so erlebnisreich, dass wir für den Rückblick darauf noch einen dritten Teil produziert haben, mit einigen reisespezifischen und technischen Aspekten.

english:

Art and droll

Our main interests on this trip were landscapes and nature. And yet the most beautiful experiences include artistically designed places and art events:

In addition, we had fun with droll meadow fence post decorations with:

  • Boots in the prairie of Saskatchewan,
  • Caps at the Cowboy Trail in Alberta and
  • Bikes at the North Cape of Prince Edward Island.

 

This six-month journey was so eventful that, for the review, we produced a third part, with some travel-specific and technical aspects.

 

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