Mit dem Womo durch Finnland

Zwei Monate waren wir unterwegs, 61 Tage nach Finnland, durch Finnland und wieder zurück. Eine Überraschung war das zauberhafte Åland, das uns zehn Tage lang sehr abwechslungsreich begeistert hat. Es ist unbedingt eine Reise wert. „Aufgeräumt wie in Åland“ ist für uns zum geflügelten Wort geworden. Aber auch das ‚eigentliche Finnland‘ (so ist es bei der Einreise von Åland aus auf Schildern zu lesen) hat sich uns in immer wieder anderen Facetten präsentiert. Und auf der Rückreise hatten wir noch eineinhalb Wochen interessante Eindrücke in Schweden und Dänemark.

Das herausragende Erlebnis auf dieser Reise war sicherlich die Beobachtung von Braunbären und den extrem seltenen Vielfraßen in ihrer natürlichen Umgebung. Wieder mal haben wir in Skandinavien keinen einzigen Elch gesehen, obwohl praktisch überall davor gewarnt wird. Rentiere dagegen haben wir im Norden häufig erlebt häufig erlebt. Nachhaltig anrührend war und ist für uns die Kunstinstallation ‚Stilles Volk‘.

Lappland, das uns inzwischen auf mehreren Reisen im Sommer und im Winter begeistert hat, war mit seinem Hochsommer ein weiterer Höhepunkt. Zu den schönen Überraschungen gehört für uns die gesamte Küste mit ihren zahllosen Schären und Felsen, aber auch mit herrlichen Sandstränden. Und auch die sehr verschiedenen Stromschnellen haben uns begeistert. Die unzähligen Seen, die überall durch die nicht enden wollenden Wälder blinken, gelten zwar als selbstverständlich in Finnland. Aber sie sind immer wieder hinreißend schön, besonders die großen Seen Päijänne und Saimaa.


Bei der Planung dieser Reise haben wir den Eindruck gewonnen, dass es relativ wenige Reiseführer über Finnland gibt, aber auch nur wenige Reiseberichte im Internet. Selbst einigermaßen detaillierte Straßenkarten waren nicht einfach verfügbar. Offenbar ist Finnland ein weniger populäres Reiseland als z.B. Schweden oder Norwegen. Das ist schade und angesichts der Attraktivität des Landes nicht gerechtfertigt.



Nun ja, Finnisch ist eine sehr exotische Sprache. Allerdings sind die Küstenregionen überwiegend zweisprachig, Finnisch und Schwedisch. Das hat uns dort die Orientierung erleichtert, obwohl wir des Schwedischen auch nicht mächtig sind. Aber es ist dem Englischen und dem Deutschen, besonders dem (uns vertrauten) Plattdeutschen verwandt. Verständigen konnten wir uns mit wenigen Ausnahmen problemlos in Englisch.

Ein weiteres Hindernis für Finnlandreisen ist sicherlich die Entfernung von Mitteleuropa. Dennoch, wer die nötige Zeit hat, dem empfehlen wir eine Reise nach Finnland uneingeschränkt. Wie wir gezeigt haben, kann man auch den Weg dorthin genießen.


Mücken gelten laut Womo-Führer als die böswilligsten aller wilden Tiere in Finnland. Diesbezüglich war unsere Reiseplanung offenbar richtig. Als wir Mitte Juli das finnische Festland erreichten, war die Mückensaison wohl schon weitgehend vorbei. Wären wir in Mitteleuropa im Sommer so viel in der Natur unterwegs gewesen wie in Finnland, hätten wir nicht weniger Mücken erlebt als dort. Die mitgebrachten Mückenschutzmittel haben wir nur dreimal benutzt, danach waren sie uns lästiger als die Insekten. Beunruhigender haben wir an einzelnen Orten Bremsen empfunden.

Neben den unzähligen touristischen und landschaftlichen Zielen sind die Mitgliedschaften in EU und Euro gute Argumente für Finnland. Südeuropäisches Obst und Gemüse in guter Qualität und Auswahl in den Supermärkten sind das sichtbarste Indiz dafür. Was wir schon in der Zusammenfassung unserer Lappland-Winterreise über Nordschweden und Nordnorwegen berichtet haben, gilt auch für Finnland. Neben Wildnis gibt es im ganzen Land Zivilisation: Siedlungen, Dörfer, Städte und gute Straßen, die Infrastrukturen eines der fortschrittlichsten Länder. Selbstverständlich gibt es Supermärkte mit erstklassiger Auswahl, Bäckereien, Cafes, Tankstellen, Mode-Boutiquen, Kunst und vieles mehr praktisch überall.


Finnland ist international führend in Mobilfunk. Die Netzabdeckung des Landes ist sehr gut. Es soll entlegene Gebiete ohne mobiles Internet geben, wir haben sie nicht gefunden. In keinem Land haben wir bisher einen so unkomplizierten und preiswerten Internetzugang per Prepaid SIM-Karte erlebt, wie in Finnland. Einmal hatten wir „nur“ UMTS (3G), sonst immer LTE (4G), also jederzeit schnelles Internet. In Åland waren die Verhältnisse geringfügig weniger komfortabel.

Die Auswahl an Brotsorten, gerade auch deftigen, ist groß. Und, was uns schon in Griechenland den Zugang zu typischen Lebensmitteln des Landes erleichtert hat, haben wir auch in Finnland erfahren: In jedem etwas größeren Ort ist ein Lidl-Supermarkt, sowohl mit vertrauten deutschen Lebensmitteln als auch landestypischen.

Und dann ist da noch eine bemerkenswerte Besonderheit, die das Reisen in Finnland angenehm macht, gerade auch mit dem Wohnmobil: Auf der ganzen Welt haben wir nicht solche rücksichtsvollen und zurückhaltenden Autofahrer erlebt, wie die finnischen. Fahren auf finnischen Straßen ist entspannt.

Sehr gute Dienste hat uns mal wieder der Womo-Führer geleistet (Mit dem Wohnmobil nach Finnland). Ohne ihn hätten wir wohl einige Schwierigkeiten gehabt, schöne Stellplätze in der Natur und Entsorgungsmöglichkeiten zu finden. Er deckt Finnland erstaunlich gut ab. Da er Åland nicht berücksichtigt, haben wir uns erlaubt, dort gefundene Stellplätze selbst mit GPS-Koordinaten zu veröffentlichen.


Die Infrastruktur für Wohnmobile, abgesehen von Campingplätzen, ist in Finnland sehr unterschiedlich, aber überwiegend weniger gut. Das ist erstaunlich, denn wir haben unerwartet viele, insbesondere einheimische Wohnmobile auf den Straßen gesehen. Die absolut besten Entsorgungsstellen gibt es in Finnland, aber nur wenige. In Schweden sind viele Rastplätze im ganzen Land mit Entsorgungseinrichtung ausgestattet. Frischwasser ist in allen drei nordischen Ländern gut verfügbar. In Finnland haben wir es meistens an Tankstellen getankt (bis auf eine Ausnahme gratis), gelegentlich in Sportboothäfen.


Ein auf unsere Interessen ausgerichteter Reiseführer (neben dem Womo-Führer) war in einer aktuellen Ausgabe nicht verfügbar. Das Dumont Reise-Handbuch Finnland war durchaus hilfreich, allerdings ist es für unseren Geschmack zu sehr auf Städte und Gebäude fixiert.


Während in Deutschland großer Frust über einen als schlecht empfundenen Sommer herrschte, zwar mit einigen heißen Tagen, aber viel Regen und diversen Unwettern, hatten wir in Finnland einen überwiegend angenehmen Sommer. Die Fotos in unserem Blog belegen das. Nein, spanische Hitze hatten wir erwartungsgemäß nicht. Geregnet hat es überwiegend nachts oder nur als Schauer, sodass der Rest des jeweiligen Tages angenehm war. Mit 25°C hatten wir die wärmsten Tage Ende Juli in Lappland.




Damit ist der Bericht von unserer Finnlandreise abgeschlossen.
Frau Rumkommer präsentiert auf ihrer Webseite ihre besonderen Finnland-Fotos und Åland-Fotos. Auch der Herumkommer zeigt seine besten Fotos von dieser Reise auf seiner Webseite. Außerdem hat er wieder einige Leuchttürme für seine Sammlung mitgebracht, aus Finnland und Åland sowie aus Schweden und Dänemark.
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