Nach Südamerika

 

Unserem Wohnmobil haben wir mal wieder eine Kreuzfahrt spendiert. Von Hamburg durch die Nordsee und den Ärmelkanal in den Atlantik, an Madeira, Kanaren und Cabo Verde vorbei geht es in mehrere brasilianische Häfen, nach Buenos Aires und schließlich zum Zielhafen Montevideo. In der Hauptstadt von Uruguay treffen wir am Ankunftstag des Schiffs (laut Fahrplan) per Flugzeug ein.

Einige technische Aspekte haben uns bestärkt, diese seit Längerem geplante Langzeit-Reise durch den fernen Kontinent jetzt zu wagen. Wir haben in letzten Monaten viel in das inzwischen fast acht Jahre alte Fahrzeug investiert. Dadurch ist es jetzt in einem denkbar guten technischen Zustand, der Innenausbau ist es ohnehin nach wie vor. Ähnlich gute technische Voraussetzungen für eine solche Reise werden wir vermutlich nie wieder haben.

  • Vor gut einem halben Jahr war das Fahrzeug in der zweijährlichen Hauptuntersuchung. Dabei wurden Mängel an Spur- und Koppelstangen der Vorderachse festgestellt; sie wurden repariert.
  • Zwei Monate später, auf der Reise durch Spanien, war das Zweimassenschwungrad der Kupplung defekt und die gesamte Kupplung wurde ausgetauscht.
  • Im weiteren Verlauf der Reise mussten in Portugal die vorderen Bremsscheiben ausgewechselt werden.
  • Nach der Reise waren die Reifen abgefahren und neue mussten her.
  • Bei der fälligen Inspektion durch Mercedes-Benz wurden Mängel an Kühlmittelpumpe, Achsmanschetten, Bremsen und Hinterachswellen erkannt und beseitigt.

Speziell für Südamerika (und für die Schiffspassage) haben wir dann noch ein paar zusätzliche technische Vorkehrungen getroffen:

  • Die Starterbatterie funktionierte noch, ihre Kapazität hat aber nachgelassen. Daher haben wir unserem Womo vorbeugend eine neue gegönnt. Nach vier Wochen Parken im Schiff und bei möglichen Nachtfrösten in den Hoch-Anden soll sie nicht ausfallen.
  • Die großen Fenster in den Seiten des Wohnmobils haben wir zusätzlich gesichert.
  • Die Truma-Dieselheizung wurde gewartet.
  • Außerdem haben wir für die Dieselheizung das Höhenkit nachrüsten lassen.
  • Gleichzeitig wurden die unter dem Fahrzeug liegenden Dieselleitungen und -pumpen der Heizung gegen Kälte isoliert.
  • Den Befüllungs-Wasserfilter haben wir mit einem Aktivkohlefilter bestückt, statt des einfachen Membranfilters.
  • Im Frischwassertank soll ein Silbernetz mögliche Krankheitskeime abtöten.
  • Insbesondere für WC, Heizung und Wasseranlage haben wir wichtige Ersatzteile beschafft und eingepackt.

Selbstverständlich haben wir einen Straßenatlas und mehrere Reiseführer gekauft für die Länder, die wir bereisen wollen. Für unser Garmin-Navi haben wir die Südamerika-Karten gekauft und geladen.

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Mit der bewährten Hilfe von Seabridge wurde das Wohnmobil verschifft. Dabei waren wieder diverse Vorgaben der Reederei zu berücksichtigen, zum Teil andere als nach Kanada.

  • Küchen- und Badausrüstung, Bettzeug, Camping-, Bergungs- und Reparaturausrüstung, Kleidung, Schuhe, Hygieneartikel und Gegenstände für den persönlichen Bedarf dürfen im Womo transportiert werden. Sie müssen in Schränken und Staufächern untergebracht sein. Alles muss „seemäßig“ gestaut, das Wohnmobil innen „blickleer“ sein.
  • Lebensmittel, Alkohol, Pflanzen, Erde, Tabakwaren, Drogen (auch Medikamente) sowie brennbare Flüssigkeiten und gefährliche Güter, aber auch Bargeld, Wertsachen, Laptop, Foto- und Filmausrüstung, Navi sowie elektronische Geräte dürfen sich nicht im Womo befinden. Der Kraftstofftank darf nur ¼ bis ½ gefüllt sein.
  • Gasflaschen müssen unbenutzt und versiegelt oder leer und gespült sein. Das Spülen ist teurer als die Beschaffung einer neuen Flasche. Zwei Flaschen empfiehlt Seabridge zur Vermeidung von Versorgungsengpässen. Also haben wir zwei neue ALU(mini)-Flaschen gekauft und für den Schiffstransport versiegeln lassen. Für alle Fälle haben wir noch einen Gasadapter beschafft. Einen Trafo für 115V (wie in Kanada) brauchen wir nicht, denn die Länder, die wir bereisen wollen, haben alle 220V.

Bei der Abgabe des Fahrzeugs für den Seetransport hatten wir ein Heimspiel: Am kombinierten Container- und Roll-on Roll-off (RoRo-) Terminal O’Swaldkai der Firma Unikai im Hamburger Hafen werden Schiffe für den Transport von Straßenfahrzeugen be- und entladen. Dort habe ich unser Womo übergegeben. Die Kfz-Kennzeichen habe ich, wie empfohlen, abgenommen, damit sie unterwegs nicht abhanden kommen. Die sollen ins Fluggepäck.

Seit ein paar Wochen sind wir jetzt ohne Fahrzeug. Nach den intensiven Vorbereitungen, einschließlich Beladen des Womo, hatten wir zunächst beim Blick auf den leeren Parkplatz vor dem Haus eine Art Phantomschmerz. Auf der Internetseite Marine Traffic verfolgen wir den Kurs des Schiffs.

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Seabridge for Motorhomes organisiert die Verschiffung und beschreibt den zeitlichen Ablauf, die Erfordernisse für den Schiffstransport sowie für Reisen durch Südamerika. Außerdem werden Vermittler für die Kfz-Haftpflichtversicherung, Reederei-Agent und Hafen-Spediteur vor Ort in Südamerika genannt bzw. empfohlen, jeweils mit Adresse und E-Mail-Adresse sowie GPS-Koordinaten. Entsprechende Infos gibt es auch für Hotels, Gastankstelle und ein paar Campingplätze in bzw. bei Montevideo.

Es war also noch erheblich mehr zu erledigen und zu organisieren, als Vorbereiten, Beladen und Abgeben des Wohnmobils. Für uns hat sich bewährt, dass wir sofort nach Rückkehr von unserer Frühlingsreise durch Südwest- und Westeuropa die Verschiffung gebucht sowie alle Vorbereitungen geplant und priorisiert abgearbeitet haben. Drei Monate waren wir damit gut beschäftigt. Einiges hat gut geklappt, die meisten Aufgaben bereiteten zusätzliche Mühe und brauchten viel Geduld:

  • Die Montage der Sicherheitsbleche an den großen Seitenfenstern ist nicht so einfach, wie vom Hersteller behauptet. Zu zweit ist es uns gelungen. Allerdings war in einem der beiden Fenster die Fensterlaibung zu dick. CS-Reisemobile hat das Problem beseitigt, als das Womo zur Nachrüstung des Heizungs-Höhenkit in ihrer Werkstatt war.
  • Die Inspektion des Basisfahrzeugs in der Mercedes-Werkstatt zog sich über neun Tage hin (inkl. Feiertag). Fast täglich wurden weitere Defekte erkannt: Die Kühlmittelpumpe war undicht und musste ersetzt werden. Beide Achsmanschetten der Vorderachse waren defekt und mussten ausgetauscht werden. Die rechte war vor zwei Jahren undicht und wurde ersetzt. Sechs Monate später war sie wieder defekt und wurde als Garantieleistung ausgetauscht. Wenige Tage vor Ablauf der zweijährigen Garantie war die erneut defekt. Der Kundenberater wollte mir weis machen, das sei ein Verschleißteil. Hartnäckiges Beharren auf der Garantie war letztlich erfolgreich. Versehentlich(!) wurde aus dem Getriebe das Öl abgelassen (statt aus dem Verteilergetriebe). Dabei wurde festgestellt, dass es die falsche Farbe hatte und viel zu dünnflüssig war. Die hinteren kombinierten Bremstrommeln und -scheiben waren innen stark verrostet, mit der Folge, dass die ohnehin unterdimensionierte Feststellbremse das Fahrzeug kaum noch hielt. Zufällig(!) wurde an der Hinterachse erhebliches Spiel bemerkt. Beide Zahnwellen der Hinterachse (die in Rohren laufen) waren ausgeschlagen. Das ist alles ärgerlich und lässt am Qualitätsanspruch von Mercedes-Benz zweifeln, für den hohe Preise verlangt werden. Der Rechnungsbetrag für die Inspektion war astronomisch hoch.
  • Die online bestellten Gasflaschen waren angeblich „auf Lager“. Geliefert wurden sie zunächst nicht. Telefonisch ist der Shop nur an zwei Wochentagen jeweils für ein paar Stunden erreichbar. Zwei Wochen nach Bestellbestätigung wurde am Telefon erklärt, neue Gasflaschen seien „im Zulauf“ und sollten vermutlich in zwei weiteren Wochen beim Händler eintreffen. Nach insgesamt vier Wochen wurden sie geliefert.
  • Den online bestellten Straßenatlas „Argentinien Super Atlas“ musste MapFox aus Argentinien beschaffen. Knapp sechs Wochen dauerte es, bis er bei uns eintraf.
  • Das in einem Reiseführer genannte Online-Reisebüro für Flugbuchungen stellte sich als nur sporadisch besetztes Ein-Mann-Unternehen heraus. Ohne dass wir eine Rechnung erhalten hatten, wollte der Inhaber von uns Kreditkartendaten per Telefon übermittelt haben. An dem Punkt haben wir storniert. Die Flüge haben wir dann in einem Reisebüro in Hamburg persönlich gebucht.
  • In Buenos Aires haben wir die erforderliche Kfz-Haftpflichtversicherung per E-Mail angefragt. Letztlich hat auch das geklappt, aber bis wir den Vertrag hatten, dauerte es fast fünf Wochen.
  • Für Kanada hatten wir eine sehr kostengünstige Krankenversicherung von der HUK Coburg. Die hat eine Altersbeschränkung, sodass sie jetzt für uns nicht mehr verfügbar ist. Als Versicherter bei der Techniker Krankenkasse (TK) habe ich (Reinhard) einen (im Vergleich mit anderen Anbietern) recht günstigen Tarif für die Langzeit-Auslandskrankenversicherung bei der envivas bekommen, die mit der TK kooperiert. Krim musste beim günstigsten Versicherer ungefähr 50% mehr bezahlen. Mir hat die envivas unaufgefordert eine Bestätigung der Versicherung in deutsch, englisch und spanisch gesandt. Darin ist auch der Hinweis, dass CoVid-19 mitversichert ist. Krim bekam diese Bestätigungen erst auf Anforderung.
  • Selbst die für diverse Gebühren im Zielhafen erforderlichen US-Dollars bei einer Bank in Hamburg zu beschaffen, war nicht trivial und hat uns zwei Tage beschäftigt.

Für einige Verwirrung hat die Reederei gesorgt, die unser Wohnmobil nach Südamerika transportiert.

  • Zunächst erhielten wir über Seabridge eine Buchungsbestätigung für das Schiff „Grande Argentina“, planmäßige Abfahrt: 08. Juli, planmäßige Ablieferung des Wohnmobils bis spätestens 2 Arbeitstage (Mo-Fr) vor Abfahrt (also 06. Juli).
  • Gut drei Wochen später wurde die Buchungsbestätigung geändert auf „Grande Guinea“, planmäßige Abfahrt: 07. Juli.
  • Wenige Tage später wurde der Treibstoffzuschlag ab 1. Juli erhöht.
  • Zehn Tage danach wurde die Buchungsbestätigung geändert auf „Grande Amburgo“. Gleichzeitig kam der Hinweis, das Fahrzeug müsste spätestens am 04.07 um 17 Uhr übergeben sein. Seabridge hat dazu erläutert, dass die Reederei es durch das Tauschen der Schiffe im Gegensatz zu allen anderen Reedereien schafft, ziemlich im Fahrplan zu bleiben.
  • Weitere drei Tage später änderte sich die späteste Abgabe des Fahrzeugs auf 01.07 um 17 Uhr (acht Tage nach dieser Mitteilung). „Die Reederei braucht zur Zeit diese Vorlaufzeit zum Planen der Schiffe, die aufgrund hohen Ladungsaufkommens sehr voll sind.“ Glücklicherweise hatten wir alle Vorbereitungen für das Womo rechtzeitig erledigt und keine weite Anreise zum Hamburger Hafen.
  • Tatsächlich abgefahren ist das Schiff am 8. Juli, wie ursprünglich geplant.
  • Mit der Frachtrechnung kam dann noch Ärger. Die Reederei hat das Womo bei der Verladung angeblich gemessen, die Angaben aus der Zulassungsbescheinigung wurden ignoriert. Offenbar wurden die Maße geschätzt. Die größte Fehl-“Messung“, die der Länge, hat als Grundlage für Frachtrate und Treibstoffzuschlag zu ungerechtfertigten Mehrkosten von 39 Euro geführt.

Für Südamerika werden diverse Impfungen empfohlen. Einige sind Voraussetzung für die Einreise aus bestimmten (Nachbar-)Ländern. Änderungen dieser Regularien sind nicht ungewöhnlich. Gegen einige Infektionen sind wir schon länger geimpft, gegen CoVid-19 maximal.

Eine Impfberatung bei der Hausärztin ergab, dass wir uns noch gegen Hepatitis A und Tollwut impfen lassen sollten. Die Grundimmunisierung gegen Tollwut dauerte insgesamt vier Wochen mit drei Injektionen (weitere sind uns bis 2052 ! prognostiziert). Gegen Malaria haben wir ein empfohlenes Prophylaxe-Medikament zur Mitnahme gekauft.

Zur Gelbfieber-Impfung haben wir uns im Institut für Tropenmedizin beraten lassen. Diese wird über 60-jährigen nur verabreicht, „wenn ein signifikantes und unvermeidbares Risiko einer Gelbfieber-Infektion besteht“.

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Einige der genannten Probleme haben die Kosten des Projekts erhöht. Viele erforderten unnötigen Aufwand für Nachfragen, E-Mails, Telefonate. Und immer wieder haben wir gewartet und gebangt, ob eins der vielen Puzzelteile ausfällt oder kostenintensive Verzögerungen verursacht. Dass bisher die gesamte Organisation mit vielen gegenseitigen Abhängigkeiten erfolgreich war, ist für uns ein kleines Wunder.

Seit fast acht Jahren haben wir viel Erfahrung mit unserem Wohnmobil gesammelt, davon rund 3 ½ Jahre auf Reisen, in weiten Teilen Europas und sechs Monate in Kanada. Ohne diese Erfahrung würden wir dies Abenteuer vermutlich nicht wagen.

Vor drei Jahren haben wir erste Schritte für eine Reise mit unserem Womo durch Australien unternommen. Dort ist für uns noch viel zu entdecken. Seabridge hat uns dann mitgeteilt, dass die Reederei für die Routen nach Australien wegen einer Käferplage vorher die Erhitzung des Fahrzeugs fordert: „Die Fahrzeuge müssen im Inneren am kältesten Punkt auf 60 Grad erhitzt werden und das für ca. 30 Minuten. Die gesamte Zeit der Erhitzung dauert dadurch ca. 2 Stunden.“ Dieser extremen Erhitzung wollten wir unser Wohnmobil nicht aussetzen, denn wir haben Schäden an Dichtungen, Verklebungen und Elektrik befürchtet. Darum haben wir diese Planungen abgebrochen. Später waren wir froh darüber, denn zunächst wüteten die großen Waldbrände in Australien, dann mussten dort wegen CoVid-19 Wohnmobile zurück gelassen werden.

Jetzt hoffen wir, trotz möglicher Risiken, auf eine außergewöhnliche Reise zu ganz besonderen Zielen in Südamerika. Wenn wir in Montevideo unser Wohnmobil aus dem Hafen abgeholt haben, wollen wir neun Monate die südlichen Länder Südamerikas bereisen: Uruguay, Argentinien, Chile und ein Abstecher nach Bolivien sind geplant.

2 Kommentare zu „Nach Südamerika“

  1. Moin, Moin,
    ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Glück sowie natürlich weiterhin Spass am Fotografieren und Reisen. Es hat mich schon erstaunt, welche Herausforderungen und Anforderungen bei so einer Reise zu bewältigen sind. Auch in Zeiten des Internets scheint doch das Eine und Andere noch immer eine große Hürde zu sein.
    Ich freue mich schon auf ihre Reiseberichte und grüße Sie Beide ganz herzlich
    Ihr
    Jürgen Britze ( aus Geesthacht an der Elbe)

    1. Herzlichen Dank für die guten Wünsche.
      Die intensiven Vorbereitungen haben in den vergangenen Wochen für steigendes Reisefieber gesorgt. Wir können es kaum erwarten, dass es los geht.
      Und dann freuen wir uns auch, von sicherlich interessanten Reiseerlebnissen, sehr außergewöhnlichen Landschaften und von (mehr oder weniger zwangsläufigen) Abenteuern berichten zu können.
      Herzliche Grüße aus Hamburg in die „Nachbarschaft“ Geesthacht,
      Krim Grüttner und Reinhard Prinzmeier

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