Ruf der Wildnis

Eine Reise durch Kanada ist ein lang gehegter Traum. Frau Rumkommer möchte insbesondere den ‚Indian Summer‘ erleben. Damit ist die Reisezeit schon eingegrenzt. Aber was wollen wir von Kanada sehen? Kanada ist das zweitgrößte Land der Erde. Auf welche Region(en) davon wollen wir uns konzentrieren?

Einige Kilogramm Fotobände über Kanada und seine Regionen bzw. seine Provinzen und Territorien schleppen wir aus der öffentlichen Bibliothek ab. Nach längerem Abwägen der vielfältigen Möglichkeiten ist klar: Yukon ganz im Nordwesten soll es werden. Und dann auch Alaska!

Im Januar buchen wir Flüge, Hotels für An- und Abreisetage sowie einen Camper Van ab/bis Whitehorse ab Mitte August. Der Direktflug Frankfurt – Whitehorse und zurück ist da schon ausgebucht.

 

Von Hamburg über München fliegen wir mit Air Canada / Lufthansa nach Vancouver (British Columbia) am Pazifik. Vancouver liegt nur unwesentlich nördlicher als München. Daher haben wir angenommen, dass der Flugkurs direkt nach Westen führen würde. Tatsächlich fliegen wir nach Norden.

Bei Tageslicht über den gesamten Flug hinweg und guter Sicht beobachten wir vom Fensterplatz aus Treibeisfelder vor der Küste Nordgrönlands, dann kahle Felsen und im weiteren Verlauf eine geschlossene Schneedecke. Weiter geht es diagonal vom Nordosten Kanadas Richtung Südwesten stundenlang über unbewohnte Gebiete: Inseln, Landmassen mit vielen kleinen und einigen großen Seen, nackte Felsen, ausgedehnte Wälder. Schließlich überfliegen wir die immer noch dünn besiedelte Prärie und die Rocky Mountains.

 

Nach einer Hotelübernachtung in Vancouver fliegen wir weiter nach Whitehorse, der Hauptstadt von Yukon. Zweieinhalb Stunden dauert dieser Flug mit einem Jet, die Entfernungen in Kanada sind immens.

Am Flughafen werden wir vom Camper Van – Vermieter CanaDream abgeholt. Begrüßt werden wir auf Deutsch, denn das Paar, das die Vermietstation führt, ist erst vor wenigen Jahren aus Deutschland ausgewandert. Das erleichtert die Übergabeprozedur für das Fahrzeug.

Etwas unangenehm stößt uns auf, dass unsere Rundumsorglosversicherung für den Camper, die wir in Deutschland bei der Buchung abgeschlossen haben, einige Risiken nicht abdeckt. Unsere Versicherung zahlt für erforderliche Reparaturen bei Pannen, jedoch nicht An- und Abfahrt des Reparaturpersonals. Bei geplanten Fahrten an einige Enden der Welt ist das keine schöne Aussicht. Durch Steinschlag gesprungene Frontscheiben kommen, wie wir später beobachten können, häufig vor. Kein Wunder bei den vielen Schotterstraßen, aber dies ist nicht abgedeckt. Also legen wir nach und buchen noch die Versicherung, die für solche und ein paar andere Risiken aufkommt.

Gegen 15 Uhr starten wir endlich mit dem Van. Oder ist es ein Zweifamilienhaus auf Rädern? Wir haben ‚Run of Fleet 2‘ gebucht. Das bedeutet, CanaDream gibt uns eines von drei Fahrzeugmodellen, das für zwei Personen geeignet und verfügbar ist. Das kostet deutlich weniger, als die Festlegung auf das kleinste der drei. So weit so gut. Verfügbar ist jedoch nur ein Fahrzeug, das noch größer ist, als das größte aus Run of Fleet 2 (das uns eigentlich schon zu groß ist). Okay, wir haben jetzt viel Platz, das Mobil soll für sieben Personen geeignet sein. Aber wir müssen mit einem sehr großen Kasten fahren.

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Die erste Fahrt geht ins Zentrum von Whitehorse zum Einkaufen. In dem menschenleeren Land sind wir gut beraten, Vorräte für zwei bis drei Wochen einzukaufen. In den wenigen anderen, viel kleineren Orten rechnen wir mit deutlich schwierigeren Einkaufsmöglichkeiten. Immerhin haben wir keine Probleme die Einkäufe in den vielen Staufächern des Camper Van und im großen Kühlschrank mit Gefrierfach unterzubringen.

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Für die erste Nacht haben wir schon aus Deutschland per Internet einen Stellplatz auf einem Campingplatz etwas außerhalb von Whitehorse gebucht. Als wir dort eintreffen, beginnt schon bald die Dämmerung. An einen Besuch des Schwimmbads der heißen Quelle gleich nebenan ist nicht mehr zu denken. Zwei lange, anstrengende Anreisetage und neun Stunden Zeitverschiebung zerren uns ins Bett.

 

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