Whiteout

Am frühen Morgen fliegen wir vom Stadtflughafen in Reykjavík mit einer Propellermaschine nach Akureyri im Norden Islands. Von dort wollen wir nach Nordosten zum Mývatn. Der Flug über das isländische Hochland ist angenehm, die Sicht recht gut. Nichts deutet auf das Drama hin, das uns erwartet.

english:
Early in the morning we fly from the Reykjavík city airport with a propeller plane to Akureyri in the north of Iceland. From there we want to go north-east to Mývatn. The flight over the Icelandic highland is pleasant, the view quite well. Nothing points to the drama that awaits us.

In Akureyri lies a thick layer of fresh snow and it continues snowing. At the airport, we take over the pre-booked 4WD car, but it soon becomes clear that the windscreen wipers are completely worn out. It only takes a few minutes till we are ‘in blind flight’, on an icy road. We turn back, but the hall of the small airport is now empty, our car renter has closed his shed. Fortunately we reach him by phone.

A little later he is there and guides us with his car into Akureyri to his workshop. While the windscreen wipers are replaced, we get a coffee. But when we want to start, we learn that the pass on the ring road from the Eyjafjörður in the direction to Goðafoss is closed as impassable. In order not to be stranded halfway in the wilderness, we prefer to wait and see if the situation is improving. So we spend time in a nearby shopping mall.

In the early afternoon, the road is opened again and we want to get over the pass before it may be blocked again. The road is easy to drive along the Eyjafjörður. But even before it leaves the fjord and turns eastwards, heavy snow fall sets in. The road is no longer recognizable. In Iceland, roads usually have no shoulder, mostly its downhill, 1 m, 5 m or more. This is alarming. And here on the pass, we know from our trip in 2006, it even goes much deeper into the abyss. Around us is only white, there is no landscape, no sky. At some distance a vehicle honks. No, it is only a few meters away and we are on collision course. That was close! Kilometer by kilometer, we go slower than walking pace, while we overexert our eyes.

A few kilometers before reaching Goðafoss, the view becomes clear, the traffic situation normalizes. So we get to see the mighty waterfall, we had not expected it anymore. We even have it for ourselves, not a person far and wide. But it starts to snow again.

To the Mývatn we still need hours, because a whiteout makes driving almost impossible! Wikipedia describes it (excerpt):

Whiteout is a weather condition in which visibility and contrast are severely reduced by snow or sand. The horizon disappears completely and there are no reference points at all, leaving the individual with a distorted orientation. Whiteout has been defined as: „A condition of diffuse light when no shadows are cast, due to a continuous white cloud layer appearing to merge with the white snow surface. No surface irregularities of the snow are visible. There is no visible horizon.“

 

 

 

 

 

In Akureyri liegt eine dicke Lage frischen Schnees und es schneit weiterhin. Am Flughafen übernehmen wir den vorgebuchten Allrad-PKW, aber schon bald zeigt sich, dass die Scheibenwischer völlig abgenutzt sind. Es dauert nur Minuten, bis wir ‚im Blindflug‘ unterwegs sind, und das auf glatter Straße. Wir kehren um, aber die Halle des kleinen Flughafens ist inzwischen leer, unser Autovermieter hat seine Bude geschlossen. Glücklicherweise erreichen wir ihn telefonisch.

Wenig später ist er da und lotst uns mit seinem PKW nach Akureyri hinein zu seiner Werkstatt. Während die Scheibenwischer ausgetauscht werden, bekommen wir einen Kaffee. Doch als wir starten wollen, erfahren wir, dass der Pass auf der Ringstraße vom Eyjafjörður in Richtung Goðafoss als unpassierbar geschlossen ist. Um nicht auf halber Strecke in der Wildnis zu stranden, wollen wir lieber abwarten, ob sich die Lage bessert. Also vertreiben wir uns die Zeit in einer nahe gelegenen Shopping Mall.

Am frühen Nachmittag ist die Straße wieder frei gegeben und wir wollen über den Pass, bevor er möglicherweise wieder gesperrt wird. Entlang des Eyjafjörður ist die Straße gut befahrbar. Doch noch bevor sie den Fjord verlässt und nach Osten schwenkt, setzt heftiger Schneefall ein. Die Fahrbahn ist nicht mehr erkennbar. In Island haben Straßen üblicherweise keinen Seitenstreifen, meistens geht es dort abwärts, 1 m, 5 m oder mehr. Das ist beunruhigend. Und hier auf dem Pass, das wissen wir von unserer Reise im Jahr 2006, geht es auch erheblich tiefer in den Abgrund. Um uns herum ist nur Weiß, es gibt keine Landschaft mehr, keinen Himmel. In einiger Entfernung hupt ein Fahrzeug. Nein, es ist nur wenige Meter entfernt und wir sind auf Kollisionskurs. Das war knapp! Kilometer um Kilometer fahren wir langsamer als Schritttempo, während wir unsere Augen überanstrengen.

Einige Kilometer vor Erreichen des Goðafoss wird die Sicht klar, die Verkehrssituation normalisiert sich. So bekommen wir den mächtigen Wasserfall doch zu sehen, damit hatten wir nicht mehr gerechnet. Wir haben ihn sogar für uns allein, kein Mensch weit und breit. Aber es beginnt wieder zu schneien.

 

 

 

 

 

Bis zum Mývatn brauchen wir noch Stunden, denn ein Whiteout (Weißblendung) mach das Fahren fast unmöglich! Wikipedia beschreibt es so (Auszug):

Ein Whiteout ist ein meteorologisches Phänomen, das vor allem in Polargebieten und im Hochgebirge auftritt. Als Whiteout wird die Helligkeit beschrieben, die bei schneebedecktem Boden und gedämpftem Sonnenlicht beobachtet werden kann. Aufgrund der starken diffusen Reflexion des Sonnenlichts und der damit einhergehenden sehr hohen minimalen Leuchtdichte kommt es zu einer sehr starken Kontrastverringerung, das gesamte Blickfeld scheint gleichmäßig hell zu sein. Das hat ein Verschwinden des Horizontes zur Folge; Boden und Himmel gehen nahtlos ineinander über.

 

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