Waldbrand oder was?

Im Yellowstone National Park angekommen checken wir am Abend im Bridge Bay Campground ein. Sechs Monate zuvor haben wir hier einen Stellplatz reserviert, damals waren schon die ersten Tage nach Öffnung ausgebucht. Von den vielen Campingplätzen im Park sind Ende Mai erst zwei geöffnet, die anderen noch wegen winterlicher Verhältnisse geschlossen. Frei stehen ist in diesem Nationalpark nicht erlaubt. Täglich aus dem Park hinaus fahren, wie wir es im Grand Teton National Park gemacht haben, ist nicht sinnvoll, denn Yellowstone ist sehr groß.
Als wir zum zugewiesenen Stellplatz fahren, trauen wir unseren Augen nicht. Das ganze Areal liegt unter Qualm, als ob hier ein Waldbrand schwelt. Für Amerikaner ist Camping gleichbedeutend mit Lagerfeuer. Allerdings ist es wohl nicht Jedermanns Sache, ein richtiges Feuer zu entzünden. Vermutlich ist viel von dem verwendeten Holz feucht.
Im ganzen Land wird in der Nähe von Campingplätzen Feuerholz an der Straße verkauft. In der Wildnis werden Äste und Zweige gesammelt. Überall stehen Schilder und Plakate mit der aktuellen Gefahrenstufe für Waldbrände. Mindestens so häufig, wie Hinweise auf die Gefahr von Bären, sind Mahnungen, das Lagerfeuer nicht unbeobachtet zu lassen und zum Schluss mit Wasser zu löschen. Kein Lagerfeuer ist für Amerikaner offenkundig keine Option. Und so werden wir nun geräuchert.
Wir beschließen, in den nächsten Tagen erst so spät wie möglich, bei einsetzender Dunkelheit auf den Campground zu kommen. Und wir wissen einmal mehr, warum wir offizielle Campingplätze meiden.

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