Ganz Schweden per Womo

Acht Wochen, von Anfang August bis Ende September, haben wir mit unserem Wohnmobil Schweden bereist. Es war unsere erste Reise durch ganz Schweden, nachdem wir schon mehrmals auf Reisen nach Norwegen und Finnland durch Schweden an- und zurück gereist sind.
Ende Juli sind wir via Flensburg und über die dänischen Inseln angereist. Das erste bedeutende Ziel in Schweden war die Schärenküste nördlich von Göteborg. Heftiger Regen hat uns weiter „getrieben“, in Richtung Norden nach Värmland. Die nächsten Etappen waren das nordöstliche Dalarna und Härjedalen.


Von Jämtland sind wir, wieder schlechtes Wetter hinter uns lassend, an die Ostküste gefahren. Die Hohe Küste (Höga Kusten) in Ångermannland und die weitere Küste des Bottnischen Meerbusens in Västerbotten und Norrbotten bis zur finnischen Grenze gehören zu den Höhepunkten dieser Reise.


Gleich eine ganze Reihe von Höhepunkten bot Lappland, das generell zu unseren Lieblingsgegenden gehört. Etwa ein Drittel dieser Reise sind wir durch Schwedisch Lappland getourt, das weit über die schwedische Provinz Lappland hinaus reicht.

Wie schon in Finnland haben wir viele Rentiere gesehen, eine selten große Herde schon in Mittelschweden. Dagegen sind die angeblich 300.000 schwedischen Elche gewissermaßen unsichtbar. Eine flüchtige Begegnung mit einem Elch am Straßenrand war daher dieses Mal eine Besonderheit.


Von Lappland aus nach Süden haben wir erneut Regenwetter hinter uns gelassen, indem wir wieder an die Ostküste gefahren sind. An der Höga Kusten, am Kustvägen (Küstenstraße) südlich von Sundsvall und an der so genannten Jungfrukusten (Meerjungfrauenküste) in Hälsingland haben wir weitere interessante Orte und Landschaften erlebt.


Nach der Region zwischen den beiden großen Seen Vänern und Vättern sind wir nach Kalmar und auf die Insel Öland gefahren. Letzter Höhepunkt der Reise war die Insel Gotland.


Schweden ist für unsere Art des Reisens eine ‚Sichere Bank‘. Das Land gehört zu den höchst entwickelten und zivilisiertesten der Welt. Die Menschen sind durchweg freundlich, Autofahrer außerordentlich rücksichtsvoll. Praktisch jeder spricht fließend English, einige sogar Deutsch. Da wir zuvor schon ein paar Mal durch Schweden gereist sind, hatten wir eine Vorstellung von dem Land und seinen Regionen voller Sehenswürdigkeiten.


Die Infrastruktur, gerade auch für Wohnmobile, ist sehr gut. Auf vielen Rastplätzen, insbesondere an den Europastraßen, gibt es in oder an den Toilettenhäuschen Latrinen für Camper-Kassetten, an einigen auch einen Wasserhahn mit Trinkwasser. Wie wir auf unserer Winterreise erlebt haben, sind diese Einrichtungen beheizt und funktionieren auch bei extremer Kälte. Straßen sind überwiegend gut aber die Fahrbahnen häufig relativ schmal, auch auf bedeutenden Durchgangsstraßen.


Offensichtlich ist Schweden ein beliebtes Womo-Reiseland für Deutsche, Niederländer, Belgier, Schweizer und Franzosen. Aber auch Esten, Letten, Litauer, Italiener und Spanier haben wir gesehen. Im Vergleich zu den Herkunftsländern ist Schweden dünn besiedelt, im Norden praktisch menschenleer. So war es keine Überraschung, dass wir im ganzen Land viele Wohnmobile gesehen haben, aber auch Wohnwagengespanne.
Die Möglichkeiten, mit dem Wohnmobil in der Natur bzw. sogar in der Wildnis zu stehen, sind sehr vielfältig. Auf unserer Reisen in den letzten Jahren haben wir selten so saubere Umwelt erlebt. In Schweden verschandelt praktisch kein Müll die Landschaft.


Für die Suche nach geeigneten Übernachtungsplätzen haben wir gelegentlich das internationale Stellplatz-Portal park4night genutzt. Viele der landschaftlich schönsten Stellplätze haben wir selbst entdeckt. In Schweden, insbesondere in der Grenzregion zu Norwegen und im Norden des Landes, war das einfacher, als in vielen anderen Ländern. Einen Campingplatz haben wir nur einmal für eine Übernachtung genutzt, nämlich zum Batterie laden und Wäsche waschen. Außer in Stockholm und Göteborg gibt es keine Waschsalons!

Wie schon auf früheren Reisen haben wir Reiseführer aus der WOMO-Reihe genutzt: die Führer ‚Süd-Schweden‘ und ‚Nord-Schweden‘. Sie boten die üblichen zuverlässigen Orientierungen. Nicht annähernd so gut fanden wir den Reiseführer ‚Schweden‘ aus der Reihe „Mobile Touring Highlights“ aus dem Werner Rau Verlag. Er war einigermaßen hilfreich für einzelne Gegenden, die in den WOMO-Führern nicht behandelt werden, z.B. Gotland. Sehr gute Informationsquellen waren Broschüren und Karten, die in Touristen-Informationsbüros (kostenlos) abgegeben werden. Als Straßenatlas hat sich wieder ‚Motormännens Sverige vägatlas‘ aus dem Norstedts-Verlag bewährt.


Mobiles Internet war gut, sogar in der Wildnis am „Ende der Welt“. Sowohl das aufschlagfreie EU-Roaming mit unserer deutschen SIM-Karte als auch eine zeitweise genutzte SIM-Karte der Telia-Tochter „Halebop“ haben gut funktioniert, mit 3G (UMTS) und 4G (LTE).
Als Selbstversorger haben wir regelmäßig in Supermärkten von ICA, Coop und Lidl sowie gelegentlich in den selteneren Filialen von Aldi eingekauft.

Insgesamt über hundert Blog-Beiträge mit vielen brillanten Fotos und Informationen aus fast allen Regionen Schwedens haben wir inzwischen veröffentlicht. Da ist bestimmt für jeden Schweden-Interessierten etwas dabei.
Besonders begeistert haben uns in Schweden (in der Reihenfolge der Reise):
- die Insel Smögen an der Schärenküste von Bohuslän
- Luleås Gammelstad
- die Stromschnellen Kukkolaforsen und Kengisforsen im Torneälv
- der Wasserfall Jockfall im Kalixälv
- Wälder, Seen und Wasserfälle zwischen Kiruna und norwegischer Grenze
- die Landschaft bei Nikkaluokta in Lappland
- das Unesco Welterbe Laponia mit dem Stora Sjöfallets Nationalpark
- Sundsvall: Steinstadt und Aussichtsberg
- das Fischerdorf Kuggörarna auf der Halbinsel Hornslandet
- das „Große Moor“ Store Mosse bei Värnamo in Småland
- Kalmar mit Altstadt und Schloss
- Öland mit karger Landschaft, Windmühlen und Ringburgen
- Gotland mit mittelalterlicher Inselhauptstadt, Fischerstellen und antiken Stätten


Die absoluten Höhepunkte dieser Reise waren:
- das Naturreservat Stångehuvud bei Lysekil an Bohusläns Schärenküste
- Västerbottens östlichster Ausläufer Bjuröklubb
- der Wasserfall Stora Sjöfallet
- die ‚Großen Stromschnellen‘ Storforsen des Piteälv bei Vidsel
- das Reivo Naturreservat bei Arvidsjaur
- der Skuleskogen Nationalpark
- der urwaldartige Tiveden Nationalpark nördlich von Karlsborg
- die Ölandbrücke bei Nacht
- der Trollwald auf Öland
- die Raukar auf Gotland

Den prallen Schweden-Sommer mit lang anhaltender, trockener Wärme hatten wir diesmal nicht. Einige Schweden, mit denen wir darüber ins Gespräch gekommen sind, haben bestätigt, dass dieser Sommer eher weniger gut war. Wir haben die Reise dennoch sehr genossen. Unsere große Unabhängigkeit hat uns mehrere Male ermöglicht, die Richtung zu ändern und Regenwetter kurzerhand hinter uns zu lassen.
Damit ist der Bericht von unserer Schweden-Rundreise abgeschlossen.
Unsere besten Fotos aus Schweden präsentieren wir auf unseren persönlichen Foto-Internetseiten krim-gruettner.de und reinhardprinzmeier.de.
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