Mit dem Womo durch Griechenland

 

Bei Reisen nach Griechenland denkt man häufig nur an die Inseln. Und auch wir hatten im Frühling 2014 zwei erlebnisreiche Wochen auf Santorini. Aber Griechenland ist so viel mehr. Historische Stätten, antike und mittelalterliche Gebäude und Orte, Ausgrabungsfelder und was es sonst an Mythen- und Geschichtsträchtigem gibt, sind flächendeckend über das ganze Land verteilt. Ein wesentlicher Teil der Wurzeln unserer Kultur liegt hier. Das Festland einschließlich Peloponnes bietet an allen Küsten herrliche Strände.

Hinreißende Landschaften, spektakuläre Nationalparks und faszinierende Naturereignisse haben wir gesehen. Ende Oktober und im November sind wir durch erstaunlich grüne Vegetation gereist. Tagestemperaturen von 24°C zu Beginn bis etwa 18°C Ende November und regelmäßiger Sonnenschein haben uns den Sommer verlängert. Fünfeinhalb Wochen waren wir in Griechenland.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fast acht Wochen hat die Reise insgesamt gedauert. Die Entfernung von Deutschland ist erheblich. Mit längerer Fährpassage, z.B. ab Venedig (statt Bari), wäre die Anreise deutlich zu beschleunigen. Aber Italien ist ja auch die eine oder andere Reise wert. Nach unseren sehr guten Erfahrungen in Frankreich mit ‚France Passion‘ haben wir das italienische Pendant ‚Fattore Amico‘ beschafft und uns auf einige Tage in Italien gefreut. Bei zwei Übernachtungen mit leckeren Einkäufen hat es sich für uns schon amortisiert.

Dass wir den Aufenthalt in Italien nicht verlängert haben, lag daran, dass die Vermüllung der Landschaft zunahm, je weiter wir nach Süden kamen. Norditalien haben wir als sehr sauber erlebt, aber ab einer imaginären Grenze liegt an den Straßen zunehmend Müll. Selbst im Nationalpark del Gargano haben wir wilde Müllkippen gesehen. Es hat uns entsetzt. Auf der Rückreise wollten wir ab Ancona noch ein wenig den Norden Italiens bereisen, aber der streikbedingte Ausfall der Fähren hat das vereitelt.

Müll liegt leider auch in Griechenland fast überall in der Landschaft. Wir sind viele Straßen gefahren, an denen es aussah wie auf einer Mülldeponie. Fast jede Böschung an Wegen und Straßen wird als wilde Müllkippe genutzt. Das ist umso erstaunlicher, als es überall Müllcontainer gibt, die auch geleert werden, selbst an entlegenen Orten. Und an vielen Straßen liegen links und rechts der Fahrbahn so viele Plastikflaschen, als ob jeder einzelne Grieche dort welche aus dem Fahrzeug geworfen hätte. In wenigen Gebieten haben wir keinen Müll herumliegen gesehen. Eine weitere üble Umweltverschmutzung ist das selbstverständliche Verbrennen von Olivenzweigen und -blättern, von Gartenabfällen und sonstigem Abfall. Praktisch jeder nimmt sich heraus, einen Ort oder ein ganzes Tal zu verräuchern.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Straßen in Griechenland sind, mit Ausnahme von Schnellstraßen, in schlechtem bis katastrophalem Zustand. Allgegenwärtig sind Schlaglöcher, in Auflösung begriffene, verrutschte oder abgesackte Fahrbahnen, abgebrochene und völlig abgerutschte Böschungen. Häufig sind die Fahrbahnränder von Unkraut und Büschen weit überwuchert. Innerhalb weniger zehn Meter kann eine gut ausgebaute Straße in einen üblen Acker übergehen oder in irgendeine andere Landschaft. Daher sind wir praktisch dauernd mit Allrad-Antrieb gefahren, mehr als in Island. Über vielen Straßen, die meistens ohnehin schon schmal sind, hängen links und rechts Äste von Bäumen und Sträuchern, die offenbar nie beschnitten werden. Für jedes Fahrzeug größer als ein Kleinwagen sind das unausweichbare Hindernisse, insbesondere für Wohnmobile.

Griechenland besteht fast vollständig aus Bergen und Gebirgen. Straßen sind Kurven und Serpentinen. Ein gerader Straßenabschnitt von mehr als einem Kilometer kann als Sensation gelten. Das heißt auch, dass Fahren, abgesehen von den wenigen Schnellstraßen, anstrengend ist und man nur relativ langsam voran kommt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Straßenverkehr in Griechenland verläuft ähnlich, wie in anderen südlichen Ländern, jedoch zurückhaltender, weniger aggressiv. Verkehrsregeln werden selten eingehalten. Aber Griechen rechnen auch damit, dass die Anderen sich ebenfalls nicht an Überholverbote halten und gehen gelassen damit um.

Unsere Reise im Spätherbst durch Griechenland hatte u. A. den Vorteil, dass unser Wohnmobil fast überall das einzige war. Stellplätze standen uns mit wenigen Ausnahmen exklusiv zur Verfügung, sodass wir das Fahrzeug nach unseren Bedürfnissen aufstellen und ausrichten konnten.

Frei stehen ist offiziell in Griechenland nicht erlaubt. Wesentliche Gründe für das Verbot sind vermutlich die Interessen von Campingplatzbetreibern und Waldbrände im Sommer (nicht nur außer Kontrolle geratene Abfallfeuer). Fast alle Campingplätze waren jedoch geschlossen und die Gefahr von Waldbränden war jahreszeitlich bedingt gering. Immerhin müssen Wohnmobile in Griechenland mit einem Feuerlöscher ausgestattet sein. Den haben wir rechtzeitig beschafft und installiert.

Campingplätze, die im Herbst/Winter fast flächendeckend geschlossen sind, lassen die weitgehend fehlende Wohnmobil-Infrastruktur zum Problem werden. Wir nutzen Campingplätze möglichst wenig, aber hin und wieder brauchen wir einen zum Entsorgen, zum Wäsche Waschen, zum Batterie Aufladen. So hätten wir ohne die Womo-Führer ‚Griechenland‘ und ‚Peloponnes‘erhebliche Schwierigkeiten gehabt. Stellplätze haben wir fast ausschließlich durch diese beiden Führer gefunden. Hinzu kamen unverzichtbare Angaben zur Versorgung mit Frischwasser und zu Toiletten, von denen die meisten allerdings im Spätherbst geschlossen waren.

Frischwasser gibt es fast überall, häufig jedoch als Brunnen. Mit Schlauch geht dann wenig, mit unserem Betankungsfilter geht ohne Druck gar nichts. Aber es gibt in vielen Orten, auch in größeren Städten, an den Straßen Wasserhähne, die an das örtliche Trinkwassernetz angeschlossen sind. Diese Zapfstellen werden offenbar auch von den Anwohnern rege genutzt, sodass nicht mit abgestandenem Wasser zu rechnen ist.

Unsere Ziele und viele weitere Informationen haben wir den Reiseführern ‚Nord- und Mittel-Griechenland‘ sowie ‚Peloponnes‘ aus dem Michael Müller Verlag entnommen und den oben genannten Womo-Führern. Zur Orientierung hatten wir außerdem die Autokarte ‚Griechenland‘ und die erheblich detailliertere Auto + Freizeitkarte ‚Peloponnes‘, beide von freytag & berndt.

 

 

 

 

 

 

Mehr als auf anderen Reisen waren die Straßenkarten und Führer zur Navigation wichtig. Denn ein großes Ärgernis war in Griechenland unser Navigationssystem. Wir haben den Eindruck, dass dort, mit Ausnahme von Schnellstraßen, keine Unterschiede zwischen verschiedensten Straßen und Wegen programmiert sind. Regelmäßig wurden abenteuerliche Routen über extrem schlechte bis unpassierbare Gassen, Feldwege, Gebirgspfade bis hin zu Trampelpfaden empfohlen. Bei Geschwindigkeiten unter Schnellstraßenniveau wurden ständig links und rechts der Route alle Wege, teilweise sogar nicht vorhandene, als Straßen angezeigt. Mehrmals haben uns die Routenempfehlungen unseres Navi in Griechenland in allergrößte Schwierigkeiten gebracht. Das war umso übler, als die Straßenverhältnisse sehr schlecht sind, wie oben beschrieben. In anderen Ländern, auch auf An- und Rückreise, hatten wir solche Probleme nicht. Daher liegt die Vermutung nahe, dass aus Griechenland keine besseren Daten verfügbar sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

Besonders begeistert haben uns in Griechenland:

  • zunächst einmal die Griechen selbst. Mit den meisten konnten wir uns in Englisch verständigen, gelegentlich auch in Deutsch. Diese Reise war auch darum sehr angenehm, weil wir uns willkommen gefühlt haben, wie selten. In Europa haben wir nirgends sonst solche Offenheit für Touristen und Gastfreundlichkeit erlebt, wie von den Griechen. Das ist ein wesentlicher Grund, dass wir gern wiederkommen wollen.
  • der Vikos-Aóos-Nationalpark
  • die Felsen von Meteora
  • die Halbinsel Pilion
  • die besonders schöne Insel Euböa
  • Berg und Burg Akrokorinthos
  • die Halbinsel Méthana mit Vulcano
  • das mittelalterliche Monemvasiá
  • die Mani, in der selbst die Gräber auf dem Friedhof turmartig sind
  • die Festungsruine von Methóni
  • die Insel Lefkada mit türkis-hellblauem Meer

 

 

Die genannten Womo-Führer enthalten auch Empfehlungen für An- und Rückreise über den Balkan, einschließlich diverser Routen und Stellplätze. Das hat uns zur Rückreise über Albanien ermutigt. Ohne diese konkreten Informationen hätten wir das vermutlich nicht gewagt. Und dann war die Fahrt durch Albanien, Montenegro, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, nochmal Kroatien, Slowenien und Österreich ziemlich normal. Bei den Grenzkontrollen zu und von Albanien sowie Montenegro haben wir uns ein wenig an die ehemaligen Ostblock-Grenzen erinnert.

Besonders in Albanien hätten wir gern etwas entdeckt, das unsere Neugier geweckt, uns zum Fotografieren angeregt hätte. Auch eine weitere Übernachtung war denkbar. Stattdessen haben wir mit gesteigertem Entsetzen gesehen, wie an der ganzen Durchfahrtsroute die Landschaft noch erheblich mehr vermüllt ist, als wir in Italien oder Griechenland gesehen haben. Fast alle Fließgewässer, die wir dort gesehen haben, sind an ihren Ufern mit Plastikmüll in den umgebenden Bäumen und Sträuchern versetzt. Offenbar wird ungehemmt in Bäche und Flüsse gekippt, in der Erwartung, dass das Wasser „entsorgt“.

Montenegro und Kroatien dagegen, haben angenehme Eindrücke hinterlassen: Interessante Landschaften, gute Infrastruktur, freundliche Menschen. Diese Länder werden wir bestimmt nochmal intensiv bereisen.

Damit ist der Bericht von unserer Griechenland-Reise abgeschlossen.

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