Gastronomisches Juwel

Für die Rückreise über die Adria nach Italien haben wir seit Tagen die Wetterprognosen verfolgt. Die Erlebnisse mit Unwettern auf Euböa und auf dem Peloponnes haben Eindruck hinterlassen. Solches Wetter wollen wir auf See nicht erleben.

Im Fährhafen Igoumenitsa bekommen wir kein Ticket für die Überfahrt am nächsten Tag nach Ancona. Schon den zweiten Tag fährt in ganz Griechenland keine Fähre, die griechischen Seeleute und Hafenarbeiter streiken noch bis morgen. Später erfahren wir aus dem Internet, dass der Streik um zwei weitere Tage verlängert ist.

Und wenn nochmal verlängert wird? Und wenn dann zunächst der LKW-Stau an den Fähren abgebaut wird? Und dann ist der nächste Starkwind unterwegs? Wir wollen das nicht abwarten! Glücklicherweise haben wir nicht vorgebucht. Wir sind unabhängig und mit unserem Wohnmobil weitgehend autark. Vorsichtshalber haben wir nicht nur unsere Personalausweise mitgenommen sondern auch die Pässe. Und so fällt der Entschluss, über den Balkan nach Hause zu fahren.

Die erste Etappe bringt uns auf der Autobahn bis Kastoria im griechischen Nordosten und dann weiter an die Prespa-Seen im Dreiländereck Griechenland, Mazedonien, Albanien. In Mikrolimni, einem beschaulichen Dorf, haben wir einen Stellplatz am herbstlichen Ufer des Kleinen Prespa-Sees. Auf dem Weg hierher sind wir durch Berge mit erstem Schnee gefahren.

english:
Gastronomic gem

For the return journey over the Adriatic to Italy we have been tracking the weather forecasts for days. The experiences with storms on Euboea and on the Peloponnese have made an impression. We do not want to experience such weather at sea.

In the ferry port Igoumenitsa we do not get a ticket for the crossing to Ancona the next day. Already the second day there is no ferry going in all Greece, the Greek seafarers and port workers are on strike still going on until tomorrow. Later, we learn from the Internet that the strike is extended by two more days.

And if it gets extended again? And when then the truck jam is first cleared by the ferries? And then the next strong wind is on the way? We do not want to wait for it! Fortunately we did not book in advance. We are independent and fully self-contained with our camper. Cautiously, we not only took our IDs with us but also the passports. And so the decision is to go home across the Balkans.

The first stage takes us on the motorway to Kastoria in northeastern Greek and then to the Prespa Lakes in the three countries corner Greece, Macedonia, Albania. In Mikrolimni, a quiet village, we have a pitch at the autumnal shore of the Small Prespa Lake. On the way here we went through mountains with first snow.

Here, on the last day before our departure from Greece, we discover a gastronomic and culinary gem. Our previous experiences with Greek tavernas are not outstanding, as we have already reported. Here everything is quite different: Artemis, her daughter Zenia and Zenias husband Kiriakos have been running for a few years the „Ta Psaradika“ („Where the fishing boats land“, if we have understood it correctly).

The dining room is not rough rustic but modern and bright, yet very cozy, with comfortable stove in the middle. Hatches and an open door give free view into a modern kitchen. And the kitchen really does not have to hide. Kiriakos explains the current menu in fluent English and we get almost dizzy from listening. The selection is difficult.

We choose red beet salad with apple and ginger (ingenious) as well as salad of white (traditional) and black (sensational) large beans as starters. No less unusual and tasty are the main courses: crispy fish, fried in very hot oil, with a potato salad to kneel down, as well as chicken, fried, with fruit from the region, unusually deliciously seasoned. It is a feast.

We have a little talk with our hosts. Artemis speaks with us in German, she has worked for many years at the Goethe Institute. Around Christmas, Zenia and Kiriakos expect twins. After the meal, he brings a select schnapps, produced by himself from the juice of ripe grapes.

At the next table, three cheery young Greeks took a seat, a woman and two men, who are apparently not here for the first time. They greet us, talk to us, want to know how the Germans think about Greece in the crisis. And they report that they feel the burdens of the international financiers strangle them. And yet they do not lose their joie de vivre, even invite us to wine. It was not only these Greeks that we experienced on this trip as lovable, unusually open and hospitable.

 

 

 

 

 

 

 

Hier entdecken wir am letzten Tag vor unserer Abreise aus Griechenland ein gastronomisches und kulinarisches Juwel. Unsere bisherigen Erfahrungen mit griechischen Tavernen sind nicht überragend, wie wir schon berichtet haben. Hier ist alles ganz anders: Artemis, ihre Tochter Zenia und deren Mann Kiriakos führen seit ein paar Jahren das „Ta Psaradika“ („Wo die Fischerboote anlegen“, wenn wir es richtig verstanden haben).

 

 

 

 

 

Der Gastraum ist nicht grob rustikal sondern modern und hell gestaltet, dabei sehr gemütlich, mit behaglichem Ofen mittendrin. Durchreichen und eine offene Tür geben den Blick frei in eine hochmoderne Küche. Und die Küche muss sich wirklich nicht verstecken. Kiriakos erläutert uns in fließendem Englisch das aktuelle Speisenangebot und uns wird fast schwindelig vom Zuhören. Da fällt die Auswahl schwer.

Wir entscheiden uns für Rote-Beete-Salat mit Apfel und Ingwer (genial) sowie Salat von weißen (traditionell) und schwarzen (sensationell) Großen Bohnen als Vorspeisen. Nicht weniger außergewöhnlich und schmackhaft sind die Hauptgerichte: knuspriger Fisch, in ganz heißem Öl gebraten, mit einem Kartoffelsalat zum Niederknien sowie Huhn, gebraten, mit Obst aus der Region, ungewöhnlich lecker gewürzt. Es ist ein Festessen.

 

 

 

 

 

Wir kommen ein wenig ins Gespräch mit unseren Gastgebern. Artemis plaudert mit uns auf Deutsch, sie hat viele Jahre im Goethe Institut gearbeitet. Etwa zu Weihnachten erwarten Zenia und Kiriakos Zwillinge. Er bringt nach dem Essen einen erlesenen Obstler, selbst gebrannt aus dem Saft reifer Weintrauben.

Am Nebentisch haben drei vergnügte junge Griechen Platz genommen, eine Frau und zwei Männer, die offenbar nicht zum ersten Mal hier sind. Sie grüßen uns, sprechen uns an, wollen wissen, wie die Deutschen über Griechenland in der Krise denken. Und sie berichten, dass die Auflagen der internationalen Geldgeber sie gefühlt erdrosseln. Und dennoch verlieren sie nicht ihre Lebensfreude, laden uns sogar zum Wein ein. Nicht nur diese Griechen haben wir auf dieser Reise als liebenswert, ungewöhnlich offen und gastfreundlich erlebt.

 

1 Kommentar zu „Gastronomisches Juwel“

  1. Liebe Krim, lieber Reinhard,

    dieses Restaurant sieht wirklich sehr einladend aus. Und bei der Beschreibung des Essens kriegt man richtig Appetit, verlockend! Das „Ta Psaradika“ in Mikrolimni wird in unsere legendäre Liste der Reiseziele aufgenommen.
    Besonders gut haben uns auch die geheimnisvoll-mystischen Sonnenaufgang- und untergang Bilder gefallen, einfach traumhaft!!
    Liebe Grüsse und gute Rückkehr nach HH

    Annette und Beat

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