Norwegens Winter im Womo

 

Durch den nordischen Winter wollten wir reisen, ab Anfang Februar drei Monate durch Norwegen und Finnland. Wegen der Reisebeschränkungen aufgrund der COVID-19-Pandemie sind es nur rund sieben Wochen geworden, fünf davon durch den norwegischen Winter. Unsere Enttäuschung über die Verkürzung hält sich in Grenzen, denn wesentliche Ziele haben wir erreicht, zauberhafte Landschaften gesehen und Großartiges erlebt. Immerhin sind wir weit nach Norden gekommen, bis nach Tromsø. Und auf der Rückreise war es reizvoll, in Schweden ein paar Orte im Winter zu erleben, die wir im voran gegangenen Sommer besucht haben.

 

 

Schon der Auftakt dieser Reise mit Spaziergängen an der dänischen Nordseeküste war sehr inspirierend. Wir sind dann zügig nach Norwegen weiter gefahren, weil wir vor einem angekündigten Orkan auf der Fähre sein wollten.

 

Unsere Truma-Dieselheizung hatte bereits in Dänemark Aussetzer und wir haben gehofft, das würde sich legen. Aber das Wünschen hat nicht geholfen. In der Filiale Grimstad des Wohnmobilhändlers Ferda, mit Geschäften in ganz Norwegen, wurde das Problem diagnostiziert und Ersatzteile für die Reparatur zur Filiale bei Stavanger geordert. Während wir bis zu deren Lieferung noch unterwegs waren, hat sich die Kupplung unseres Fahrzeugs „zerlegt“. Das hat uns den exklusivsten (und wegen der Reparatur den teuersten) Stellplatz aller Zeiten eingebracht, in einer KFZ-Werkstatt. Nach der Fahrzeugreparatur wurde am selben Tag bei Ferda auch die Heizung repariert. In allen Werkstätten haben wir neben großer Professionalität und Zuverlässigkeit auch außerordentliches Entgegenkommen erfahren.

 

Angenehm überrascht hat uns die norwegische Südküste: Sie bietet landschaftlich sehr viel von dem Norwegen, das wir erst viel weiter nördlich vermutet hatten.

 

 

 

In West-Norwegen, etwa von Stavanger über Bergen und Ålesund bis zur Atlantikstraße, hat uns Regen zugesetzt, häufig mit Starkwind oder Sturm. Zwischendurch gab es aber auch Schnee und einige großartige Lichtblicke.

 

 

 

 

Dauerhaft im Schnee angekommen sind wir auf dem Weg nach Trondheim. Wenig später hat extremer Frost die Dieselzufuhr unserer Heizung blockiert und uns mal wieder in Stress versetzt.

 

Nachdem die Störung behoben war, konnten wir den nordischen Winter richtig genießen, zunächst am Polarkreis. Auf Lofoten hatten wir trotz viel Tourismus großes Glück, mit dem Wetter, mit herrlichen Schneelandschaften und mit Nordlichtern. Auch die Vesterålen haben uns wieder begeistert, landschaftlich und mit mehreren Elch-Begegnungen.

 

 

 

 

Eines unserer wichtigen Reiseziele war die Insel Senja. Die grandiosen Winterlandschaften, die wir dort erlebt haben, motivieren uns, sie auch mal im Sommer zu besuchen. Als letzte Höhepunkte in Norwegen haben wir die sehr sehenswerte Umgebung von Tromsø erlebt.

 

 

 

Danach hatten wir trotz Pandemie eine entspannte Rückreise durch Nord-Norwegen, Schweden und Dänemark.

 

Norwegen und Schweden sind für unsere Art des Reisens eine ‚sichere Bank‘. Die Länder gehören zu den höchst entwickelten und zivilisiertesten der Welt. Die Menschen sind durchweg freundlich und entgegenkommend, Autofahrer außerordentlich rücksichtsvoll. Praktisch jeder spricht fließend Englisch, einige sogar Deutsch. Die Verständigung war daher für uns mal wieder völlig ohne Probleme. In keinem anderen Land fühlen wir uns sicherer. Unsere Aktivitäten waren naturgemäß durch Glätte und durch unzugängliche Wanderwege deutlich eingeschränkt im Vergleich zu den Reisen im Sommer.

 

Dies war unsere vierte Norwegen-Reise, wir sind also recht gut mit den Verhältnissen im Land vertraut. Dennoch gibt es immer noch viel zu entdecken. Daher haben wir uns schon vor der Reise über den „Nordlandblog“ gefreut. Der bietet eine erstaunlich große Vielfalt gut aufbereiteter, wirklich relevanter Informationen für Reisen aller Art in nordeuropäische Länder. Wir haben z.B. die sehr detaillierten Ortsbeschreibungen norwegischer Leuchttürme im Nordlandblog gern genutzt. Noch wichtiger waren die Informationen und Anleitungen für das norwegische Mautsystem AutoPass und das automatisierte Bezahlsystem für Inlandsfähren, AutoPassFerje. Sie haben uns erhebliche Rabatte eingebracht.

 

Ansonsten haben wir uns wieder stark auf die bewährten Wohnmobilführer aus der WOMO-Reihe gestützt: insbesondere ‚Norwegen Teil 1: Der Süden‘ und den schon etwas älteren Führer ‚Nord-Norwegen‘. Übernachtungsplätze haben wir außerdem in dem internationalen Stellplatz-Portal Campercontact gefunden. Ein paar haben wir selbst entdeckt und einige waren uns von früheren Reisen vertraut. Einen Campingplatz haben wir nicht genutzt. Viele offizielle Rastplätze und andere Parkplätze, die eigentlich als Stellplätze geeignet wären, waren nicht von Schnee geräumt. Oftmals waren die Zufahrten noch zusätzlich durch Schneewälle versperrt, die Schneepflüge an den Straßen auftürmen.

 

Weitere Unterlagen für Orientierung und Anregungen waren auf dieser Reise der aktuelle Reiseführer „Norwegen“ aus dem Michael Müller Verlag, die Übersichts-Straßenkarte „Norwegen“ von Michelin im Maßstab 1:1 250 000 sowie der norwegische Straßenatlas „Veibok Norge“ 1:300 000 / 1:375 000 von Legind A/S, Kopenhagen, Dänemark.

 

 

 

Die Straßen sind überwiegend schmaler als in Mitteleuropa. Das gilt für Norwegen noch mehr als für Schweden. Meistens sind sie in ordentlichem oder gutem Zustand. Und auf der ganzen Welt funktioniert kaum etwas so gut und zuverlässig, wie Schnee Räumen in diesen Ländern. Dennoch sind wir erhebliche Strecken auf Schnee, Harsch und Eis gefahren. Es ist einfach nicht immer möglich, rückstandslos zu räumen, ohne die Fahrbahn zu ruinieren. Der Allrad-Antrieb und die nagelneuen Geländereifen unseres Wohnmobils konnten sich also bewähren. Die Schneeketten, vor drei Jahren für die Lofoten-Winterreise beschafft, sind immer noch unbenutzt.

 

Menschen mit Tunnel-Ängsten mögen Norwegen vermutlich weniger. Das gesamte Land ist praktisch ein riesiger, zerklüfteter Felsen. Immer mehr Tunnel durch Berge und unter Fjorden hindurch verkürzen Strecken und ersetzen kurvige und enge Routen. Für die Norweger ist das sicher gut, fürs Sightseeing eher weniger. Einige Tunnel haben wir als anstrengend erlebt, weil sie eng oder schlecht beleuchtet waren, schier unendlich lang oder weil sie extreme Gefälle und Anstiege enthielten. Im Schneegestöber oder auf vereisten Straßen haben wir Tunnel herbei gesehnt, denn solche Verkehrsbehinderungen bleiben draußen.

 

Die Infrastruktur für Wohnmobile ist in Norwegen und Schweden sehr gut. Auch im Winter standen viele Entsorgungsstationen zur Verfügung und trotz Frost funktionierende Wasserhähne mit Trinkwasser. Das Wasser in Skandinavien ist so gut, dass wir unseren Einfüll-Filter auf dieser Reise gar nicht benutzt haben.

 

Mobiles Internet war erwartungsgemäß gut, auch in entlegenen Gebieten. Wir haben diesmal ausschließlich das EU-Roaming mit unserer deutschen SIM-Karte genutzt. Das hat in den EU-Ländern Dänemark und Schweden gut funktioniert, aber auch in Norwegen, das zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) gehört.

 

Wie üblich haben wir als Selbstversorger regelmäßig in Supermärkten eingekauft. Der Unterschied zu Deutschland oder anderen EU-Staaten sind lediglich etwas andere, landestypische Sortimente in den Geschäften und meist höhere Preise, besonders in Norwegen. Obst und Gemüse haben wir ausreichend gefunden, in kleineren Orten war aber die Auswahl manchmal beschränkt. Für eine ausgewogene Ernährung haben wir auch verschiedene besondere Brotsorten mit Hafer, Dinkel, Roggen und Körnern gefunden.

 

Kraftstoffe sind in Dänemark und Schweden teuer, in Norwegen sehr teuer. Aber es gibt auch dort erhebliche Unterschiede, manchmal von einer Tankstelle zur nächsten. Ziemlich regelmäßig haben wir in Norwegen deutlich niedrige Kraftstoffpreise zwischen Donnerstagmittag und Montagnachmittag gesehen.

 

Unsere schönsten Eindrücke und Erlebnisse waren (in der Reihenfolge der Reise):

Das herausragende Erlebnis auf dieser Reise waren die Nordlichter im Nordosten von Lofoten.

 

Damit ist der Bericht von unserer Norwegen-Reise abgeschlossen.

Der Herumkommer hat auf seiner Internetseite www.reinhardprinzmeier.de mit den besten Fotos aus Europa, Amerika, Afrika und Ozeanien die Leuchttürme in Dänemark, Norwegen und Schweden aktualisiert. Außerdem präsentiert er dort auch seine besten Aufnahmen aus Norwegen.

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